02 Juli 2025

Studienfahrt nach Eastbourne, England

Am frühen Morgen des 19. Mai 2025 startete unsere Studienfahrt in Simmern. Um 5:30 Uhr machten wir uns mit dem Bus auf den Weg. Die Route führte uns zunächst durch Belgien und anschließend durch Frankreich. In Calais nahmen wir die Fähre über den Ärmelkanal und erreichten am Nachmittag den englischen Hafenort Dover. Von dort ging es weiter nach Eastbourne, wo wir gegen 19:30 Uhr ankamen und herzlich von unseren Gastfamilien empfangen wurden.

In den nächsten vier Tage erkundeten wir Eastbourne mit seinen beeindruckenden Klippen, die Kleinstadt Rye, sowie Dover Castle, Canterbury und die Hafenstädte Hastings und Brighton.

Brighton ist eine lebendige Küstenstadt im Süden Englands, die etwa 280.000 Einwohner hat. Brighton ist das beliebteste Seebad Großbritanniens und wird oft auch als „London by the Sea“ bezeichnet. Die Stadt ist bekannt für ihre offene, kreative und vielfältige Atmosphäre und gilt als die „Gay Capital“ des Vereinigten Königreichs. Besonders sichtbar wird diese Vielfalt durch die zahlreichen Regenbogenflaggen, bunten Graffitis und individuellen Läden, die das Stadtbild prägen.
Während unseres Aufenthaltes bestaunten wir unter anderem den historischen Royal Pavilion, der als ehemalige Sommerresidenz von König George IV. erbaut wurde. Das Bauwerk ist architektonisch einzigartig: Es erinnert mit seinen vielen Kuppeln und Türmen stark an den indischen Taj Mahal.

Wir schauten uns ebenfalls das ehemalige Pump House an, wo sich früher eine Heilquelle befand. Die Quelle war einst ein Anziehungspunkt für Besucher der oberen Gesellschaftsschichten. Auch heute noch ist der Ort historisch bedeutsam. In unmittelbarer Nähe liegt das Fig Tree Cottage, eines der ältesten Häuser der Stadt. Zudem schlenderten wir durch die berühmten Lanes, ein verwinkeltes Viertel mit mittelalterlicher Bebauung. Besonders auffällig waren dort die vielen kleinen Geschäfte, was typisch für die charmante Bauweise der Gassen ist. Wir kamen sogar an der schmalsten Gasse der Lanes vorbei, in der kaum zwei Personen nebeneinander gehen können.

Ein interessanter Aspekt der Stadt ist ihre politische Entwicklung. Brighton war der erste und für lange Zeit einzige Wahlbezirk Großbritanniens, in dem im Jahr 2010 ein grüner Abgeordneter ins Parlament gewählt wurde. Mittlerweile sind es bereits vier grüne Abgeordnete, was die fortschrittliche und umweltbewusste Haltung vieler Einwohner widerspiegelt.

Auch die Musikszene Brightons hat eine spannende Geschichte. In den 1970er Jahren wurde hier der Eurovision Song Contest ausgetragen. Die schwedische Band ABBA gewann damals mit dem weltberühmten Lied „Waterloo“. Seitdem gilt Brighton als Zentrum der Pop- und Alternativkultur, mit zahlreichen Musikgeschäften und Plattenläden, die wir bei unserem Stadtrundgang entdeckten.

Brighton hat uns vor allem durch seine offene Kreativität beeindruckt: In einem winzigen „veganen Schuhladen“ für rein pflanzliche Sneaker wurde klar, dass hier jeder seine Träume ausleben und Ideen verwirklichen kann. Dazu kommt der riesige Brighton Pier, der schon von außen mit seiner lebendigen, verspielten Architektur begeistert. Beides macht die Stadt zu einem Ort, an dem Freiheit und Einfallsreichtum spürbar sind.

Ein weiteres Highlight war die Begegnung mit der alternativen Kunst- und Modeszene, die stark vom Camden Style Londons beeinflusst ist. Brighton gilt als Vorreiter für alternative Lebensstile. Besonders einprägsam war das Kunstwerk „Kissing Cops“ des bekannten Straßenkünstlers Banksy, das zwei sich küssende Polizisten zeigt. Da das Bild mehrfach das Ziel von Vandalismus war, ist heute eine Replik hinter Panzerglas ausgestellt, um es vor weiteren Angriffen zu schützen.

Am letzten Tag erkundeten wir Canterbury und begannen abends unsere Heimreise nach Simmern, wo wir am nächsten Morgen ankamen – mit vielen neuen Eindrücken, spannenden Erfahrungen und einem tieferen Verständnis für die Geschichte, Kultur und Vielfalt Südenglands.