08 Jul 2020

Standing Ovations für Rainer Weyrich

„Meinem Vorvorgänger Herrn Dr. Heinemann müssen wir heute noch dankbar sein. Hatte er doch durch zweimaligen Einspruch verhindert, dass sich der Kollege, den es heute zu verabschieden gilt, 1995 und 1996 von unserer Schule in Wohnortnähe versetzen lassen konnte“.

Mit diesen Sätzen begann Elke Gresch ihre Rede am Freitag, den 3. Juli in der Aula des Herzog-Johann-Gymnasiums Simmern für Hans-Rainer Weyrich (WR), der nach 30 Jahren am HJG in seinen Ruhestand verabschiedet wurde.

Als eine „Zentralfigur in der Schulgemeinschaft“ bezeichnete die Schulleiterin ihren scheidenden Stellvertreter Rainer Weyrich bei der ergreifenden und würdevollen Verabschiedung vor dem HJG-Kollegium, dem angestellten Fachpersonal, dem Schulelternsprecher, zahlreichen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, dem ehemaligen Schulleiter Rudolf Windecker und Johanna Weyrich.

Man erhielt kleine Einblicke in einzelne Stationen des Studiendirektors: In Sponheim verwurzelt, in Bad Kreuznach Abitur gemacht, in Mainz die Fächer Mathematik und Geographie studiert, nach dem Examen Referendariat in Koblenz. Wegen fehlender Planstellen etliche Vertretungsstellen angenommen – mit befristeten Verträge und trüben Zukunftsaussichten im Schuldienst langfristig unterzukommen. Das war der Grund, weshalb Rainer Weyrich 1985 in den Bereich der freien Wirtschaft nach Wiesbaden wechselte und dort bei einer Bank als Organisationsprogrammierer arbeitete. Im August 1990 Rückkehr in den Schuldienst und seitdem festes Kollegiumsmitglied am Herzog-Johann-Gymnasium. Von Anfang an ins Kollegium integriert: Fachkonferenzleitungen, erst Personalratsmitglied, später auch Personalratsvorsitzender, Datenschutzbeauftragter. Seit 2005 dann Beförderung zum Studiendirektor als ständigem Vertreter des Schulleiters.

Sein Organisationstalent, sein offenes Ohr, sein ruhiges, ausgeglichenes Wesen und seine faire, verständnisvolle, das Miteinander betonende Art kamen im Kollegium als auch bei seinen Schülern sehr gut an: Ob als Mitglied der Lehrerfußballmannschaft gegen die immer gleich jung bleibenden Schüler, ob als Lehrer bei Klassenfahrten nach Maria Alm oder Erfurt und Weimar, ob als „King of the Dancefloor“ nach Abifeiern oder ob als meist geduldiger Vertretungs- und Stundenplanmacher – den „Rainer“ muss man einfach mögen und man hatte einfach unwahrscheinlich gerne mit ihm zu tun, weil er alles, was er anpackte mit großer Leidenschaft und Überzeugung tat. Ein eigens für Rainer Weyrich liebevoll produziertes Video mit unzähligen Grüßen, Erinnerungen und nachgespielten Szenen seines Schulalltags von Kollegen und Kolleginnen, aber auch Ehemaligen brachte das Auditorium zum Lachen, Schmunzeln und Nachdenken zugleich und zeigte die Sympathie und uneingeschränkte Wertschätzung, die ihm von allen Seiten entgegengebracht wird.

Letztlich dankte die Schulleiterin ausdrücklich herzlichst für seine Arbeit im Dreierteam der Schulleitung und Dr. Johannes Venema überreichte anerkennend einen Blumenstrauß an Johanna Weyrich als Dank für das Rückenfreihalten Ihres Mannes. Rainer Weyrich sei immer ein Fels in der Brandung gewesen – für diese Erkenntnis hätte es seine „fantastische Coronakrisenbewältigung“ eigentlich nicht gebraucht, so Elke Gresch. Ihm sei gelungen, was selten möglich sei: Der Spagat zwischen Schulleitung und Kollegium. „Wenn sich jemand ein stressfreies Leben im Ruhestand verdient hat, dann sind Sie es! Dass Ihre Stelle nicht so gleich besetzt werden wird, ist im Vergleich zu der Lücke, die Sie als Persönlichkeit hinterlassen werden, geradezu marginal.“

In seiner Abschiedsrede bedankte sich der zukünftige Pensionär für die gute Zusammenarbeit und das vertrauensvolle Miteinander innerhalb der bisherigen Schulleitungen. Er dankte auch allen Kolleginnen und Kollegen, die ihn in seinem schulischen Wirken als auch während privater Krisen unterstützt haben und ihm stets Vertrauen schenkten. Seinen Job habe er fast immer gerne gemacht, die letzten Monate hätte er nicht zwingend gebraucht, bedeutete die Coronakrisenbewältigung für ihn vier Stundenpläne, dauernd wechselnde Vertretungspläne und Raumprobleme, die von ihm gestemmt werden mussten. Mit dem Nörgeln einiger Kollegen oder Kolleginnen über „einen missratenen Stundenplan“ oder „unzumutbare Vertretungsstunden“ habe er im letzten Schuljahr auch immer weniger gelassen umgehen können, da er immer das große Ganze – eben die komplette Schulgemeinschaft – im Blick haben musste. Er freue sich nun sehr auf sein Leben außerhalb der Schule mit netten Begegnungen bei Grillfesten, anregenden Gesprächen und einem guten Glas Wein in seinem Garten und bald wird auch Rainer mit einem neuen E-Bike die Straßen in und um Kreuznach unsicher machen und die Welt als Pensionär entdecken dürfen. Sicherlich wird seine innere Uhr einige Zeit brauchen, sich auf den ungewohnten Freizeitmodus umzustellen …

Mit tosendem Beifall, stehenden Ovationen und auch einigen Tränen der Ergriffenheit bedankte sich das Auditorium herzlich bei Rainer Weyrich für alles, was er in den letzten 30 Jahren für das Herzog-Johann-Gymnasium in Simmern geleistet hat.

P.S: Ab wann sagtest du, können wir bei Dir in Sponheim zum Grillen vorbeikommen? Du fehlst uns schon jetzt …